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Ich heiße
Nadine und bin seit einigen Tagen hier in der Kinderklinik. Als ich vor
kurzem bei meinem Hausarzt war, weil ich in der letzten Zeit ziemlich viel
Durst hatte und außerdem abnahm, sagte der mir, dass ich Diabetes hätte
und ich sofort hier eingewiesen werden müsste. Meine erste Reaktion war
in der Richtung „Oh Gott, was wird das jetzt?!?". Mir war schon
etwas flau im Magen. |
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Als ich hierher kam, hatte ich Überzucker,
ich war also müde, hatte immer Durst und müsste auch viel auf die Toilette.
Das Dumme ist nur, dass man bei zu viel Zucker im Blut mehr Wasser ausscheidet
als man aufnehmen kann. Deshalb nimmt man ab (daher auch der Tropf, um den Flüssigkeitsverlust
auszugleichen). Ein anderer Grund fürs Abnehmen ist, dass der Körper die
fehlende Energie, die er über den („zerlegten"!) Zucker normalerweise
bekommen würde, aus den Fettvorräten nehmen muss. Das Fett allerdings kann der
Körper nicht vollständig verwerten, das Abfallprodukt heißt Azeton, und das
ist für den Körper nicht gut. Wenn man jetzt zu Hause (mittels Teststreifen)
merkt, dass man Zucker und Azeton im Urin hat, muss man unbedingt überprüfen,
ob die Insulinmenge, die man spritzt, genug ist (oder man fragt den Arzt in der
Diabetes - Ambulanz). Beides einzeln ist nicht so schlimm, das kann vorkommen,
vor allem, wenn man krank ist oder sich so fühlt. Das passiert bei Überzucker,
es gibt aber auch das Gegenteil, Unterzucker.
Bei Unterzucker bekommt man
zittrige Hände, man wird nervös und reizbar. Das kann z.B. nach Sport oder
irgendeiner anderen Überanstrengung passieren. Deshalb ist es notwendig, dass
Freunde und Lehrer wissen, dass man Diabetes hat und was bei solchen Symptomen
zu tun ist.
Erst gestern kam dann eine Diät-Assistentin und zeigte mir verschiedene Tabellen, in denen steht, wie die verschiedenen Lebensmittel (ganz muss ich auf McDonalds nicht verzichten!!!) in BE's einteilen kann. BE's, Broteinheiten, sind der Maßstab, mit dem man den Zucker und die Kohlenhydrate im Essen misst. Mein Essensplan z.B. ist nach meinen Schulzeiten ausgerichtet und sieht so aus:
| Frühstück | 6.30 Uhr | 3 BE |
| Zwischenmahlzeit 1. Pause | 9.20 Uhr | ½ BE |
| Zwischenmahlzeit 2. Pause | 11.05 Uhr | ½ BE |
| Mittagessen | 14.00 Uhr | 4BE |
| Zwischenmahlzeit | 16.30 Uhr | 2BE |
| Abendessen | 19.00 Uhr | 4BE |
Ich muss jetzt sechsmal am Tag essen, was mir allerdings zur Zeit sehr gelegen
kommt, denn wegen der Umstellung aufs gespritzte Insulin habe ich gewaltigen
Hunger. Ist aber ganz normal und vergeht wieder. Das Insulin kann ich in meine
Oberschenkel und -arme und in den Bauch spritzen. Außerdem muss ich mich vor
jeder Mahlzeit (zu Hause nur vor jeder Hauptmahlzeit) stixen, das heißt, meinen
Blutzuckerwert kontrollieren. Der normale Wert beträgt zwischen 70 und 140 mg.
Als ich das bei meinem Arzt machen ließ, legte ich erst mal die Instrumente
lahm, denn ab 500 mg zeigt das Gerät nur noch „Hl" an. Ich hatte damit
den höchsten Wert, und die Sprechstundenhilfe wusste nichts mit dem Ergebnis
anzufangen, weil diese Höhe noch nie vorkam.
Meine Therapie ist eine
sogenannte „intensivierte Therapie", das heißt viermal am Tag spritzen
(früh, mittags, abends, spät) und wenn ich mich an den ganzen Ablauf erst mal
gewöhnt habe, kann ich auch mal was ummodeln, z.B. bei einer Einladung zum
Pizzaessen. Eine kleine Pizza hat ca. 8-10 BE's. Ich rechne also aus, wie viele
Insulineinheiten ich mir mehr spritzen muss, und dann ist die Sache gegessen.
Natürlich kann ich das nicht jeden Tag machen, man sollte schon darauf achten,
dass man täglich immer möglichst gleich viele BE's isst. Am meisten
Kohlenhydrate haben Nudeln oder Reis, aber auch Obst hat Fruchtzucker, der ja
auch in die Kategorie fällt. Neben Kohlenhydraten braucht der Körper noch zwei
weitere Sachen; Eiweiß und Fette. Auf die muss ich aber nicht sooo sehr
aufpassen, ich darf eben nicht jeden Tag eine Ente vertilgen. Ansonsten kann ich
mageres Fleisch und Gemüse essen, wann ich will, auch zwischen den eigentlichen
Mahlzeiten, das nennt man „Lückenfüller".
Wenn ich mich spritze, habe ich
zwei Insulinsorten „zur Auswahl": Altinsulin und Basal. Das Altinsulin
wird auch „Kurzzeitinsulin" genannt, das heißt, es fängt ca. eine halbe
Stunde nach dem Spritzen zu wirken an, hält aber nur vier oder fünf Stunden
nach. Das Basal, das Langzeitinsulin, beginnt erst ungefähr eine Stunde nach
dem Spritzen zu wirken und hält für zehn oder manchmal zwölf Stunden an.
Deshalb spritze ich mir am Morgen beide, Alt und Basal. Das Alt hält dann fürs
Frühstück und die erste Pause an. Bei der zweiten beginnt dann das Basal zu
wirken. Zu Mittag muss ich mir wieder Alt geben, fürs Mittagessen und die
Nachmittagsmahlzeit. Zu dem Zeitpunkt ist das Basal schon noch vorhanden, wirkt
aber nicht mehr so stark. Zum Abendessen ist wieder das Alt dran, und zur Spätspritze,
um 22.00 Uhr, wird nur Basal gegeben, außer, der Blutzucker ist zu hoch, dann
wird noch eine kleine Menge Alt dazugefügt.
Aus diesem Grund kann ich jetzt
meine Mahlzeiten variieren: Je nachdem, wieviel Hunger ich habe und wie hoch der
Blutzucker ist, kann ich von einem sog. Sockelbetrag ausgehen und dann eben mehr
oder weniger Alt spritzen. Das Basal bleibt gleich.
Also, ich finde,
eigentlich kann man mit Diabetes schon ziemlich gut leben, man muss eben ein
wenig aufpassen.