Hi, ich bin 15 Jahre alt und komme aus Nürnberg. Am 7. Dezember 2000 ist mir der Unfall passiert. Ich bin aus 10 m Höhe gestürzt. Ich lag auf dem Boden. Alles tat mir weh, der Arm war gebrochen, und ich konnte meine Beine nicht mehr bewegen und auch nicht spüren. Ich wurde ins Klinikum Süd eingeliefert und gleich operiert. Nach der Operation ging es mir besser, ich wurde von zwei netten Schwestern in ein Zimmer gebracht. Im Gang standen meine Eltern mit meinem damals 3 Monate alten Sohn und meinem 12jährigen Bruder. Meine Mutter weinte. Ich schlief wieder ein. Am nächsten Tag kam zu nur eine Krankengymnastin. Sie brachte mir ein Korsett zum Sitzen. ( Mein dritter Lendenwirbel war total zerschmettert und ich konnte ohne Korsett nur 45' hoch ). Sie half mir dabei, es anzuziehen und ich saß zum ersten Mal auf der Bettkante. Es war schön und schon ein erster Fortschritt für mich. Mir wurde schwindlig und sie legte mich zurück. Am nächsten Tag war Visite, und der Arzt sagte, dass ich noch am Arm operiert werden musste. Die Operation verlief gut und nach ein paar Tagen war ich schon wieder fit. Mir war nicht so langweilig, da mich immer wieder jemand besuchte. So verlief mein Tag: Um 7.00 kam die Schwester,' sie hat mich gewaschen und mir die Zähne geputzt, dann sind verschiedene Ärzte gekommen, haben Untersuchungen durchgeführt, (wie Röntgen). Ich habe dann einen Katheter in den Bauch bekommen. Dann wurde ich wieder operiert, wieder am Rücken. Ich hatte 4 Schrauben im Rücken stecken und einer war schief und den mussten sie gerade reinoperieren. Als es mir nach der Operation wieder besser ging, sagte mir die Ärztin, dass ich nach Bayreuth verlegt werde und dort wieder laufen lernen werde. Ich freute mich sehr, aber mir war auch klar, dass meine Mutter mich dort nicht so oft besuchen kann. Es ist sicher nicht leicht, mit einem kleinen Baby drei Stunden mit verschiedenen Transportmittel zu fahren. Aber die Hoffnung war größer als der Verzicht. Am nächsten Tag, von meinem Vater begleitet, wurde ich in einem Krankenwagen ins Krankenhaus Hohe Warte in Bayreuth transportiert. Im Zimmer waren noch 3 Mädchen, aber das, was mich am meisten gefreut hat, war der Fernseher. Doch mit der Zeit ist die Freude daran vergangen, weil ich mich mehr mit meinem Unfall beschäftige und an intensiven Laufübungen teilnehme. Mit einem der Mädchen habe ich mich sehr angefreundet. Sie ist zwei Jahre jünger als ich und ich nenne sie Pippi. Mit ihr ist es für mich erträglicher, im Krankenhaus zu sein. Wir machen viel Spaß, ärgern ein bisschen die Schwestern und können auch über unsere Gefühle reden, was auch sehr wichtig ist.
Unser Alltag besteht aus einem strengen Zeitplan. Um 7.00 kommt die Schwester und weckt mich zum Kathetern auf (dabei führe ich einen Schlauch, der an einem Beutel befestigt ist, in die Harnröhre ein, um den Urin abzulassen. Denn auch die Blasenfunktion ist durch den Unfall gestört worden). Dienstag und Donnerstag habe ich um 8.00 Schwimmen, da versuche ich im Wasser zu stehen und auch ein paar Schritte zu machen und ich bin sehr glücklich, weil es mir auch mit der Zeit gelingt. Dann um 8.30 folgt meine Lieblingstherapie "Computer", wo ich meistens an einem der Mystery-Spiele hänge, was mir viel Spaß macht und da kann ich mich richtig entspannen. 9.30 hab ich Hanteltraining, wo ich durch das Bewegung der Arme mit den Hanteln mehr Kraft für schnelleres Rollstuhlfahren und fürs Stehen im Barren bekomme. Um 10 Uhr gehts zur Krankengymnastik, da bewegt meine Krankengymnastin die Beine. Dabei versuche ich soviel ich kann mitzumachen, dadurch steigt die Muskelkraft wieder an. Danach dehnt sie meine Zehen, damit die nicht steif werden, was allerdings schon ein bisschen passiert ist. Um 10.30 habe ich und meine Freundin Pippi Schule, wir lernen Mathe, Englisch und Deutsch. Da habe ich auch diese Geschichte geschrieben. Wir haben auch viel Spaß miteinander. Jeden Tag versuche ich z.B. die beiden zu erschrecken, indem ich von hinten leise mit dem Rollstuhl anschleiche.
Um 12.00 ist die Schule aus und wir fahren zum Mittagessen und da schrumpft mein Magen so sehr, dass ich das "Fünf-Sterne-Menü" nicht reinbringe. Deswegen lasse ich mir lieber was Appetitlicheres von meiner Mutter mitbringen (wie z.B. Lasagne oder Maultaschen). Nach dem Essen gehe ich ins Zimmer um mich auszuruhen, denn um 14.00 beginnt das Krafttraining. Da sitze ich auf einem speziellen Sessel, wo man die Beine an eine Maschine anschließt, die das Bein bewegt und ich versuche mit meiner ganzen Kraft mitzumachen. Dann um 14.30 folgt die Handwerksgruppe, wo man viele schöne Sachen machen kann ( z.B. habe ich einen schönen Korb geflochten für meine Mutter zum Muttertag und Seidentücher in verschiedenen Farben). Um in der Stadt auf den Straßen zurecht zu kommen, besuche ich um 15.00 das Rollstuhltraining. Letztendlich gehe ich um 15.30 zur Krankengymnastik, wo ich im Barren stehe und Schritte versuche, oder ich laufe am Laufband, indem ich in Gurten befestigt bin um mein Gewicht bis zur Hälfte zu reduzieren und die Therapeutinnen helfen mir mit den Beine gegen das Laufband Schritte zu machen. Um 16.00 Uhr sind die Therapien endlich aus und dann kann ich meine Freizeit selber gestalten. da fahre ich mit meiner Freundin Pippi ein wenig frische Luft schnappen auf den Balkon. Oder ich lese oder zeichne oder unternehme, was mir sonst so Spaß macht. Es ist sehr schwer das alles durchzuhalten. Aber ich glaube fest daran und gebe meine ganze Kraft und irgendwann werde ich auf meinen eigenen Beinen aus dem Krankenhaus rauslaufen. Dann kann ich selber auf meinen kleinen Sohn aufpassen und ihm meine Liebe schenken. Das wäre echt ein Traum!!!
