Zeitungsartikel vom 24./25. Mai
2001, verfasst von Schülerinnen und Schülern der Gruppen 5 und 6 der
Staatlichen Schule für Kranke im Regierungsbezirk Oberfranken im Rahmen des
Projekts "Zeitung in der Schule":
Lehrer
versuchten mit strengen Erziehungsmaßnahmen Disziplin zu schaffen
Bayreuth
Hart durchgegriffen wurde in der sogenannten
guten alten Zeit. Wenn die Zöglinge die Schulordnung nicht beachteten und sich
daneben benahmen, wurde nicht lange diskutiert oder geschlichtet, sondern
scharfe Schulstrafen waren angesagt. Das konnten Schülerinnen und Schüler der
Schule für Kranke erfahren, als sie im Rahmen des Projekts "Kurier in der
Schule" mit ihrem Lehrer das Historische Museum in Bayreuth besuchten.
Ein
Museumsbesuch muss keine staubtrockene Angelegenheit sein. Rosemarie Ertl,
Museumspädagogin im Historischen Museum am Kirchplatz, brachte uns das Thema
"Schule in früheren Zeiten" nahe. Dazu war dieses Gebäude der
passende Ort, denn hier war vor ungefähr 350 Jahren die alte Lateinschule nach
einem Brand neu aufgebaut und später zum Gymnasium ernannt worden.
Unterricht war
anscheinend auch damals bei einer Reihe von Schülern nicht sonderlich beliebt.
Sie nervten ihre Lehrer wie heutzutage auch. Da ein Lehrer seine Augen nicht überall
haben konnte, ließ er sich durch einen dienstbaren Schüler unterstützen.
"Lupus" wurde dieser spezielle Petzer genannt. Er hatte den Auftrag,
seine Mitschüler zu überwachen und dem Lehrer zu melden, wenn Verstöße gegen
die Schulordnung vorkamen.
Wie sahen die
Schulstrafen aus? Da gab es zum Beispiel den "Asinus", der des Öfteren
zum Einsatz kam, wenn jemand in der alten Bayreuther Lateinschule unangenehm
auffiel. Der "Asinus" war eine Eselsmaske, die zum Gespött der
anderen aufgesetzt und längere Zeit getragen werden musste.
Der Karzer war
eine Art Gefängniszelle für Schüler. Es kam vor, dass sie eine Woche lang
acht Stunden täglich dort eingesperrt wurden. Ursprünglich war der Karzer ein
finsterer, kleiner Verschlag, von den Schülern „Hundsloch“ genannt. Im
Jahre 1766 wurde der Karzer neu gebaut. Man hielt es mittlerweile für sehr unpädagogisch,
einen Schüler mehrere Stunden ohne Beschäftigung zu lassen. Deshalb bekam der
Raum zwei Fenster, Tisch und Bank, damit der Eingesperrte auch dort schulische
Aufgaben erledigen konnte.
Aber genauso wie
heute schien sich damals ein Teil der Schüler von Schulstrafen nicht sonderlich
beeindrucken zu lassen. Ganz Hartnäckige rechneten sich den Karzeraufenthalt
als besondere Ehre an und prahlten damit herum. Es soll auch vereinzelt
vorgekommen sein, dass es einem der Eingebunkerten gelang, zusammen mit anderen,
die ihn besuchten, eine Karzerfete auf engstem Raum steigen zu lassen.
So, wie das Wort
Karzer aus unserer heutigen Sprache verschwunden ist, verhält es sich auch mit
dem "heimlichen Gemach". Mit diesem Begriff war allerdings keine Maßnahme
aus dem Strafkatalog gemeint, sondern es war die Bezeichnung für die
Schultoilette. Um 1650 müssen dort üble hygienische Verhältnisse geherrscht
haben.
In Texten aus
dieser Zeit ist zu lesen, dass sich "ein solcher in die Schulgemächer
dringender Gestank zu mancher Zeit ereignet, dass darinnen fast gar nicht zu
bleiben war". Nachbarn der Lateinschule beklagten sich, dass beim Backen in
der Küche "oftmals das liebe Brot einen so üblen Geschmack bekäme, dass
sie es nicht genießen könnten". Manch heutiges Schulklo lädt zwar auch
nicht direkt zum Urlaub machen ein – so herb wie damals sind die Umstände
aber Gott sei Dank nicht mehr.
Museum zum Anfassen – das ist ein Motto des Historischen Museums in Bayreuth. Zum Abschluss unseres Besuchs gab uns Rosemarie Ertl Gelegenheit, das Schreiben mit verschiedenen Federn und mit Tusche zu üben. Wir verfassten Urkunden in alter Schrift, die danach mit richtigem Siegelwachs versehen wurden. Und da zeigte es, wie bequem es unsereins hat: Wo man heutzutage bei einem Fehler den Tintenkiller oder die Löschtaste der Textverarbeitung verwendet, gab es früher keine Abhilfe: Ein fetter Tuscheklecks – einmal gemacht – prangte unübersehbar auf dem Papier und blieb dort wie eine hässliche Kröte hocken.