In den USA fing's an. Wir waren zu Besuch bei Freunden, hatten viel Spaß in Freizeitparks, kletterten auf Berge, fuhren in verschiedene Großstädte, zum Beispiel San Diego, Los Angeles, Las Vegas. Drei Tage vor Abflug war da plötzlich ein Schmerz in meinem Arm. Ich dachte zuerst, ich hätte mich in der Achterbahn gestoßen.
Nach zwei Tagen war der Schmerz plötzlich wieder weg, aber nach vier Monaten kam er wieder, als ich mit meinem Fußballteam in Kirchahorn spielte. Dort fiel ich kurz vor Schluss auf meinen Arm, am Abend ließ ich ihn beim Notdienst untersuchen. Der drückte gegen meinen Arm, ich schrie laut auf; und er sagte sofort, dass wir zum Röntgen gehen sollen. Zwei Tage später stellte der Röntgenologe eine zwiebelschalenartige Veränderung meines Knochens fest. Doch er konnte uns auch nichts Genaues sagen und schickte uns zum Kernspintomografen. Er meinte aber zu meiner Mutter: "Der Knochen schaut lumpert aus."
Gleich am nächsten Tag waren wir zu einer Untersuchung im Klinikum. Dort wurden EEG. EKG, Ultraschall und andere Untersuchungen gemacht. Dazu musste ich mit Unterbrechungen vier Wochen stationär bleiben. Nur an den Wochenenden durfte ich heim. Tageweise war ich auch in der Schule und konnte sogar zum Fußballtraining. Gleich nach der Knochenbiopsie machte ich sogar noch zwei Spiele. Leicht narkotisiert trabte ich aufs Spielfeld und spielte auch noch sehr gut. Da ich ahnte, dass ich einen Tumor hatte, wollte ich noch mal alles geben: Ich schoss sogar mein erstes Tor. Am 2. Mai feierte ich meine Konfirmation im kleinen Familienkreis.
Am Tag drauf kam das Ergebnis der Biopsie, es war positiv. Seitdem weiß ich, dass etwas Positives negativ sein kann. Am nächsten Tag packte ich meine "sieben Sachen" und bereitete mich auf eine lange Zeit im Klinikum vor. Nach 5 Tagen kam dann die erste Chemotherapie. Dann folgten noch 5 weitere bis zur großen Operation in Münster. Dort wurde bei mir eine Knochentransplantation durchgeführt, und zwar wurde das linke Wadenbein in meinen Oberarm eingepflanzt. Nach der Operation kam ich einen Tag auf die Intensivstation und dann in die orthopädische Kinderklinik in ein Vierbettzimmer, wo ich neue Freunde kennerlernte. Mit allen habe ich jetzt noch Kontakt, wir treffen uns bei den Nachuntersuchungen. So ein Vierbettzimmer hat viele Vorteile: wir machten Spiele miteinander, schauten Fernsehsendungen an, machten das Krankenhaus unsicher und unternahmen kleine "Ausflüge".
Hier bin ich immer alleine in meinem Zimmer und langweile mich, wenn nicht einige Abwechslungen wären: nach dem Frühstück kommt als Erstes die Krankengymnastin, dann die Lehrerin und später bekomme ich Besuch von meiner Familie. Leider können mich Freunde nur selten besuchen. Also ich habe hier sehr wenig Abwechslung. Manchmal hat man auch so Tage, wo man auf nichts Lust hat, aber es werden dann wieder bessere und schönere Tage kommen, wo man z. B. nach Hause darf. Es ist jetzt November 99 und ich habe noch 5 Chemotherapien vor mir. lch hoffe, dass ich Weihnachten zu Hause unterm Tannenbaum im Kreise meiner Familie feiern kann. Ebenso Silvester, da Silvester etwas Besonderes in diesem Jahr ist, denn man feiert nicht alle Jahre in ein neues Jahrtausend hinein. Ich denke schon heute an den Tag, wo ich wieder ein normales menschenwürdiges Leben führen kann. Mein größtes Ziel ist es, wieder Fußballspielen und Breakdance zu machen und mal wieder so richtig auf die Pauke zu hauen. Krebs ist eine furchtbare Krankheit, die einem alles abverlangt, aber sie ist besiegbar. Hier noch einige Tipps von mir:
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ln dieser Situation Iernt man seine "wahren Freunde" kennen. | |
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Es kann vorkommen, dass man sich in der Familie auf den Wecker geht, dann ist es gut, sich mal 3 Tage nicht zu sehen. | |
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Wenn du unter Appetitlosigkeit leidest, dann nimm Flüssignahrung zu dir! | |
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Wenn deine Haare nach der Chemotherapie auszufallen beginnen, dann rasiere sie dir gleich kahl, sonst gibts nur eine große Sauerei im Bett! | |
| Gewöhne dir Selbstbewusstsein an und habe immer ein Ziel vor Augen! In den Tagen, an denen man mal das Krankenhaus verlassen darf; hat man noch mit unmöglichen Reaktionen der so genannten Mitmenschen zu kämpfen. |
Das ist mein Kampf gegen den Krebs und ich stecke noch mittendrin, aber wie sagt man so schön, alles hat mal ein Ende und dann kommen wieder schöne Tage. Ich werde jetzt das "Leben" mit anderen Augen sehen, denn die Gesundheit ist nun mal das allerhöchste Gut des Menschen. An alle betroffenen Kinder und jungen Erwachsenen, die diesen Aufsatz lesen: Ich bin jederzeit bereit, mit euch zu sprechen.